Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Passend zum Wochenende der Oscarverleihung schaute ich mit einem Freund den neuen Film von Martin McDonagh (7 Psychos, Brügge sehen und sterben).

Davor

Dass Three Billboards von einem meiner Lieblingsregiesseure ist, bekam ich erst mit, als man mich darauf hinwies. Bis dahin sind mir nur die Kritiken zu Ohren gekommen, sowie die zahlreichen Oscarnomminierungen. Ich dachte, es handele sich um ein Drama, der schwarzhumorige Aspekt wurde auch eher außen vor gelassen.

Dabei

  • Frances McDormand – sie war mir bisher unbekannt
  • Woody Harrelson – Planet der Affen: Survival, Die Unfassbaren 2
  • Sam Rockwell – 7 Psychos, Cowboys & Aliens
  • Željko Ivanek – einer dieser Schauspieler, den man ständig sieht, aber nicht kennt. Er hat Dr. House als Geisel genommen und bei X-Men: Apocalypse mitgespielt
  • Peter Dinklage – kennt ihr alle: „ach, der Kleinwüchsige!“

Darum geht’s

Mildred Hayes‘ (McDormand) Tochter Angela wurde vor Monaten brutal vergewaltigt und getötet, einen Verdächtigen gibt es nicht. Kurzer Hand mietet Mildred 3 große Werbetafeln („Billboards“) auf denen fortan die Worte „Raped while dying“ „still no arrests“ „how come, Chief Willouhby?“. Willouhby (Harrelson) hat ebenfalls schwer zu kämpfen – nicht nur mit Mildreds Sturheit und Unverständnis für die Arbeit der Polizei – auch ist er unheilbar an Krebs erkrankt. Zudem spalten die Billboards das kleine Dorf Ebbing in zwei Lager: die Einen befürworten Mildreds radikalen Schritt in die Öffentlichkeit, die anderen verurteilen ihn…

Danach

Bewertung: 10/10

Zuerst standen hier 9 Punkte, doch dann habe ich überlegt, was den Abzug eines Punktes rechtfertigt. Und mir ist nichts eingefallen. 

Allerdings: hätte man mir den Film gezeigt und mich gefragt, von welchem Regiesseur er ist – ich hätte auf McDonagh getippt, bloß nicht auf Martin sondern auf dessen Bruder John Michael (Am Sonntag Bist du Tot, The Guard). Der Humor ist deutlich bitterer und schwärzer als in 7 Psychos oder Brügge, vielen dürfte das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn sich Mutter und Tochter in einer Rückblende anschreien, dass sie beide hoffen, Angela werde vergewaltigt. 

McDormand erhielt für die Hauptrolle einen Oscar – völlig verdient. Sie gibt der verbitterten, zynischen Mildred Hayes ein Gesicht, spielt sie so authentisch, als habe sie selbst erlebt, was der Figur widerfahren ist. Den Nebenrollen-Oscar hätte ich allerdings eher Harrelson zugesprochen als Rockwell – dieser bleibt die meiste Zeit des Films eher im Hintergrund und zeigt nur am Ende Präsenz. 

Sehr gefallen hat mir auch, dass nicht klar ist, in welcher Zeit „Three Billboards“ spielt. 70er-Jahre-Musik, Autos älteren Datums aber Handys aus dem neuen Jahrtausend – ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich so eine Geschichte zu jeder Zeit überall ereignen kann. 

Für die Meisten wird ein Drama über die Leinwand flimmern – für die, die meinen rabenschwarzen Sinn für Humor teilen, gibt’s aber immer wieder was zu lachen – wenn man keine Angst hat, im Kino negativ aufzufallen. Von mir gibt’s auf jeden Fall eine absolute Empfehlung, wenn nicht für die große Leinwand (weil die meisten Kinos den Film schon nicht mehr spielen), dann wenigstens für den heimischen Fernseher. 

6 Kommentare

  1. Sali, Mara.
    Passiert nicht oft, dass Dich ein Film derart restlos überzeugt – wenn ich so kurz überschlage.
    Gesehen habe ich den Film nicht; lediglich die lobenden reviews besehen & den Handlungsverlauf gelesen.
    Wobei mir die Frage zwischen den Zähnen zu stecken kam, warum der Film eigentlich mit einem offenen Ende – Selbstjustiz oder doch nicht – schließt ?
    Konnte oder wollte sich das Drehbuch nicht entscheiden!?
    Wie kam bei Dir das Ende an?

    bonté

    1. Hallo,

      naja, das Ende finde ich vernachlässigbar. Es geht da gar nicht mehr um den Mörder der Tochter sondern um einen anderen, der verdächtigt wurde, weil er in ’ner Bar zu laut gequatscht hat. Das Ende steht also nicht zwingend in Bezug zum Film, es zeigt nur auf, dass es weiter geht und die Protagonisten die Wahl haben, sich zu entscheiden… Mich hat’s nicht gestört.

      Lieben gruß

      1. …für mich ergibt sich aus dem Ende eigentlich die Frage der Intension der Macher. Denn im Grunde hätte der Film auch davor (DNA-Ergebnis/Alibi) mit der Erkenntnis der Sinnlosigkeit enden können. Oder danach (der Trip) mit der Frage der Sinnhaftigkeit von Vigilantismus. Ein offenes Ende dazwischen belässt den Film rein im luftleeren Raum.
        Hier hat der Wein etwas Kork gezogen, denke ich.

        bonté

        1. Ich denke, es geht nicht darum, WIE es weitergeht sondern um die Pespektive an sich, die beide Protagonisten vorher nicht hatten… ob man Selbstjustiz gutheißt oder nicht ist ja auch eine höchst moralische Frage. Warum sollte der Film diese beantworten? Das kann der Zuschauer für sich tun… ich selbst denke, dass sie keine ausgeübt haben. Sie haben dem Typen Angst gemacht… und sie hatten SPAß, zusammen, bei dem Roadtrip. Daran haben beide nicht mehr geglaubt…

          1. …warum sollte ein Film eine moralische Frage, die er selbst aufs Tableau bringt, nicht beantworten?
            Betrachter, die damit, das Gesetz in eigene Hände zu nehmen, kein Problem haben, werden ihre Ansicht nicht weiter hinterfragen.
            Den Skeptikern bleibt hoffen.

            Ob sich jemand, der vorgibt eine Frau vergewaltigt & ermordet zu haben, Angst machen lässt, wäre eine andere Frage.

            Neue Filme schon auf Deinem Radar!?

            bonté

            1. Um den Zuschauer selbst drüber nachdenken zu lassen. Der tut das eher bei einem offenen Ende – und nicht jeder hat bereits eine gefestigte Meinung zu diesem Thema. Zumal sich ja die Frage stellt: ist der Typ WIRKLICH ein Vergewaltiger und Mörder oder einer, der nur rumquatscht um vor seinem genauso dämlichen Kumpel anzugeben?

              Vergewaltiger und Mörder suchen sich ja offensichtlich schwächere (eine Frau oder gar ein Kind) aus. Vergewaltigung ist außerdem ein Verbrechen, bei dem Macht ausgeübt wird über diesen Schwächeren. Bei gleich starken sind die meisten dann keine mächtigen Gegner mehr…

              Nein, für Filme habe ich im Moment keine Nerven… lies mal meinen neuen Eintrag, der erklärt etwa, warum… vielleicht gehe ich diese Woche einach mal spontan ins Kino.

              Grüße

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